Ligaturen
So werden sie richtig angewendet — Ligaturen sind nicht nur schön, sondern auch funktional. Damit keine Leerräume oder Überschneidungen bei diversen Buchstabenpaare entstehen sind Ligaturen sehr praktisch und merzen das ein oder andere typografische Übel aus.
Das Comeback der Ligaturen
Schon damals waren in der Handschrift und im Bleisatz die Ligaturen ein besonderes stilistisches und praktisches Mittel zur Verschönerung des Schriftbilds. Zwar werden heutzutage Ligaturen mittlerweile wieder verstärkt eingesetzt, jedoch entweder nicht korrekt (nach den Regeln der Ligaturen-Setzung) oder nur selten – aus Angst die besagten Regeln ungewollt zu brechen.
Ligaturen-Vielfalt
Das Wort Ligatur besitzt selbst kein Ligaturen-Paar – denn die typischen bzw. klassischen Ligaturen sind: ff, fi, fl, ft oder auch in der Großschreibung AE etc. Ligaturen haben ihren Ursprung – wie so oft – in der Handschrift und wurden von dort ebenfalls in den Bleisatz übertragen. Vorteil: Um den Ausschluss der einzelnen Bleiletter zu optimieren, mussten oft-zu-unterschneidende Zeichenpaare bereits in einem 2er- oder 3er-Paar zusammengegossen werden. Diese Paare nennt man Ligaturen. Es gibt Ligaturen für die Klein- als auch für die Großschreibung. Typisch hierfür sind ff, fi, fl, ft oder AE etc. Da die Minuskel-Ligaturen (die kleingeschriebenen Ligaturen) nicht nur materiell, sondern auch optisch verschmolzen, gibt es eine wichtige Regel bei der Verwendung von Ligaturen: Über eine Silbengrenze hinweg, darf keine Ligatur gesetzt werden. Dies würde sonst optisch, als auch beim Lesen stark beeinträchtigen.
Je nach Schriftart und -schnitt sind unterschiedlich viele Ligaturen enthalten – im schlimmsten Falle auch gar keine. Wie stark Ligaturen so manches Schriftbild verschönern kann, ist im folgenden Beispiel sichtbar:
Zusätzlich zu den »klassischen« Ligaturen gibt es auch die schmückende Ligaturen, die je nach Schriftart an Mengen von Ligaturvarianten enthalten kann:
Grundregeln beachten
Oft werden Ligaturen nicht verwendet, da sich viele an die komplexe Regeln der Ligaturenverwendung nicht herantrauen. Doch so komplex sind die gar nicht. Der Satz von Ligaturen ist relativ einfach, sofern man ein paar grundlegende Regeln befolgt, die sinnvoll sind. Natürlich gibt es auch noch konsequentere Regeln, die aber sich jedoch mit Sonderfällen etc. beschäftigen.
1. Grundregel: Zusammengesetzte Wörter
Bei zusammengesetzten Wörter wird keine Ligatur über die Verbindung hinweg gesetzt. Innerhalb des Wortes selbst darf wiederum eine Ligatur verwendet werden (siehe Beispiel: Schifffahrt). Sinn dieser Regel ist, dass der Lesefluss nicht verfälscht wird. Denn durch das Zusammenrücken zweier Buchstaben wird die Wortkombination an einer unglücklichen Stelle verbunden und würde das Lesen erschweren.
2. Grundregel: Beugungsendungen, End- und Nachsilben
Zwischen Beugungsendungen (-te, -ten) und Endsilben (-lein, -lich, -los) und dem restlichen Wortteil werden ebenfalls keine Ligaturen gesetzt. Wiederum werden bei i-beginnenden Nachsilben (-ig, -in, -ich, -isch) eine Ligatur gesetzt.
1. stilistische Regel: Automatische Ligaturen-Funktion kontrollieren
Vertraue keinem Satzprogramm mit automatischer Ligatur-Setzung. InDesign oder andere Satzprogramme sind nicht immer schlau genug, um Ligaturen korrekt zu setzen, wie folgendes Beispiel beweist. Denn Hoflieferant ist ein zusammengesetztes Wort und wird nicht mit einer Ligatur gesetzt. InDesign ist jedoch diese Wortkombination nicht bekannt und setzt automatisch eine Ligatur. Der Designer vertraute in diesem Falle dem Programm und somit war der Fehler schon in der Produktion. Halb so wild: das Unglück entstand nur auf einer 5-Meter-breiten Schaufensterbeschriftung.
2. stilistische Grundregel: Gesperrte Typo
Bei einem stark gesperrtem Satz würde eine Ligatur unschön aussehen – darum lässt man sie in diesem Falle auch verschwinden.
Weitere Ligaturen
Außer den genannten Ligaturen gibt es auch Ligaturen, die gar nicht mehr als solche erkannt werden. Da hätten wir zu einem das Eszett oder das kaufmännische Und-Zeichen (das für et und Et steht). Oder auch in Vergessenheit geratene Prozentzeichen – stehend für das Kürzel cto (Abkürzung des italienischen cento – zu deutsch: hundert). Die obere Null war ursprünglich das c, der Schrägstrich das t und die untenstehende Null das o.